Mitgliederrundschreiben III/2013
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Mitgliederrundschreiben II/2013
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Mitgliederrundschreiben I/2013
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Archiv 2013

Zum Tode von Prof. Frithjof Haas

Am 25. Oktober 2013 verstarb im Alter von 91 Jahren Prof. Frithjof Haas. Der Dirigent, Studienleiter und Autor absolvierte seine Ausbildung an der Kölner Musikhochschule (u.a. bei Walter Braunfels und Günter Wand) und kam 1948 als Kapellmeister und Studienleiter nach Karlsruhe. Bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1987 dirigierte er nicht nur fast 120 Opern und Operetten, er leitete auch von 1952 (Flotows „Martha”) bis 1986 (Humperdincks „Hänsel und Gretel”) 48 Premieren, darunter nicht nur Modernes (für das er sich immer wieder engagiert einsetzte) sondern auch Opern von Gluck, Mozart, Rossini, Offenbach und 1979 übernahm er mit „Deidamia” sogar die Neuinszenierung der Händel-Tage (heute Händel-Festspiele). 2006 schließlich stellte er im Kleinen Haus mit Felix Mottls Oper „Fürst und Sänger” eine veritable Rarität vor, die er nicht nur leitete, sondern auch moderierte.
Auch die Etablierung der „Konzerte Zeitgenössischer Musik” im Karlsruher Schloss war ihm zu verdanken. Die heutigen „Nachtklänge” in der Insel bauen auf dieser Reihe auf. Und er dirigierte nicht nur in Oper und Konzert viel Zeitgenössisches: Fast in Vergessenheit geriet, dass er für Wolfgang Rihms erstes musikdramatisches Werk, „Faust und Yorick” das Libretto schrieb. überhaupt gehörte das Schreiben und die Beschäftigung mit musikhistorischen Themen untrennbar zu seinem Berufsleben. Schon 1983 veröffentlichte er „Die Erstfassung des langsamen Satzes der ersten Sinfonie von Johannes Brahms” (1991 legte die Badische Staatskapelle unter Günter Neuhold eine Einspielung dieser Fassung vor, für die Frithjof Haas den Booklet-Text verfasste.) Spätere Veröffentlichungen befassten sich mit den Dirigenten Hermann Levi, Hans von Bülow und Felix Mottl sowie mit „Menschen um Richard Wagner”. Und nebenbei fungierte er für eine Reihe von Jahren auch als Konzertdramaturg.
Ab 1957 hielt er auch einen Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe. Für seine Verdienste um das Musikleben erhielt Prof. Dr. phil. h.c. Frithjof Haas 1988 das Bundesverdienstkreuz. Er war Ehrenmitglied des Badischen Staatstheaters, des Richard-Wagner-Verbandes Karlsruhe und nicht zuletzt auch der Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters.
Unser Mitgefühl gilt besonders seiner Frau Eva, als Eva Bober sicher noch vielen Theaterfreunden in bester Erinnerung.
Manfred Kraft

Frithjof Haas

Der Körper eines Tänzers

Der jüngste „Talk im Studio” fand unter dem etwas sperrigen Titel „Der Körper eines Tänzers” statt. Doch allein die Ankündigung, dass alle Solisten des Ensembles sich für Demonstrationen zur Verfügung stellen würden, reichte um das Studio bis zum letzten Platz zu füllen. Und mit Prof. Vladimir Klos, langjähriger erster Solist des legendären Cranko-Ensembles in Stuttgart und nun stellvertretender Ballettdirektor in Karlsruhe, stand der rechte Mann bereit um den Zuhörern alles über Ausbildung, Training und Aufführung zu erklären.
Schon seine Ausführungen über den anatomischen Aufbau eines Beines, über Streck- und Beugemuskel und über die Belastung und Entlastung der Bänder veranlasste Dr. Bernd Krüger, der wie gewohnt souverän moderierte, zur Aussage „Ich glaube, ich muss sie mit ‚lieber Herr Kollege’ ansprechen”. Danach begannen die Solistinnen Bruna Andrade, Elisiane Büchele, Blythe Newman und Rafaelle Queiroz sowie die Solisten Flavio Salamanka und Admill Kuyler zu zeigen, wie ein morgendliches Trainingsprogramm beginnt, welche Muskeln wie gelockert werden und mit welchen Methoden man versucht, schlimme Verletzungen zu vermeiden. Interessant war auch zu sehen, dass die Zehen einer Tänzerin – trotz langjährigem Spitzentanz – keineswegs verformt sein müssen.
Zur Abrundung der Demonstrationen gab es natürlich auch fertige Szenen zu sehen. Aus Leo Delibes’ „Giselle” tanzten Elisiane Büchele und Flavio Salamanka einen Teil des Pas de deux aus dem zweiten Akt, und Bruna Andrade präsentierte sich als Königin der Wilis. Einen Pas de deux aus Heinz Spoerlis „In den Winden im Nichts” gestalteten Rafaelle Queiroz und Admill Kuyler und aus Tim Plegges „Momo” gab es die Szene aus dem ersten Akt, getanzt von Bylthe Newman und Flavio Salamanka, zu sehen. Ein Abend, der nicht nur unterhaltsam (was die Talks ja immer sind) sondern auch überaus informativ war.
Manfred Kraft

 

Mitgliederversammlung 2013

In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder – die beim anschließenden Unterhaltungsteil das Kleine Haus fast zur Gänze füllten – fand am 14. Oktober die diesjährige Mitgliederversammlung der Freunde des Badischen Staatstheaters statt. Neben der geschlossen anwesenden Theaterleitung (nur das Ballett ließ sich nach gerade erfolgter Rückreise aus Bangkok entschuldigen) gaben u.a. auch Kulturbürgermeister Jäger und Vertreter der anderen dem Theater nahestehenden Vereine dem Abend die Ehre.
Bei der harmonisch verlaufenden Veranstaltung kam es nur bei der Frage nach der Höhe der geplanten Beitragserhöhung zu einem lebhafteren Meinungsaustausch. Der Vorschlag des Vorstands wurde schließlich mit überwältigender Mehrheit angenommen. Nachdem Dr. Bernd Krüger den Geschäftsbericht, Schatzmeister Volker Kramer den Kassenbericht und Wolfgang Nagel den Bericht der Kassenprüfer vorgetragen hatten, erfolgte die von Wolfgang Sieber beantragte Entlastung des Vorstands einstimmig.
Wolfgang Nagel, der nach vielen Jahren als Revisor nun das Amt niederlegte, wurde mit besonders herzlichem Beifall verabschiedet.
Wie gewohnt bedankte sich das Staatstheater für die geleistete Unterstützung mit einem bunten Unterhaltungsprogramm. Die beiden von der Gesellschaft geförderten Opernstudio-Stipendiaten Doğuş Güney und Dilara Baştar gefielen mit einer sehr schön vorgetragenen Arie des Fürsten Gremin aus „Eugen Onegin” und der Arie des Cherubino aus „Die Hochzeit des Figaro”. Mit „Júrame” und dem unvergänglichen „Granada” machte Gabriel Urrutia Benet schon einmal Lust auf seinen am 3. März geplanten Liederabend.
Im Mittelpunkt des Schauspielblocks stand erwartungsgemäß Jan Andreesen als „Rio Reiser”. Seine drei Ausschnitte („Junimond”, „König von Deutschland”, „Halt’ dich an meiner Liebe fest”) wurden unterbrochen von der Briefszene Luise/Wurm aus Friedrich Schillers „Kabale und Liebe” sowie einer ironisch-witzigen Szene aus „Richtfest”. Die Komödie von Lutz Hübner soll am 28. November Premiere haben.
Das Junge Staatstheater trat gleich in voller Ensemblestärke auf. Katharina Breier und Ralf Wegner steuerten das Volkslied „Wir sind durch Deutschland gefahren” aus dem Recherchestück „Stadt, Land, Fluss” bei und Veronika Bachfischer und Sebastian Reich spielten eine Szene aus „Roma Romeo und Sinti Carmen”. Und auch das Orchester wollte nicht zurückstehen und dankte mit drei Tangos aus der Feder Astor Piazzollas. Frank Nebl (Klarinette) und Leonie Gerlach (Bassklarinette) sowie Kapellmeister Steven Moore (Klavier) machten somit auch gleich Werbung für ihr Kammerkonzert in der Insel (15.11.)
Manfred Kraft

Kurt Müller-Graf wird 100!

Als Staatsschauspieler Kurt Müller-Graf geboren wurde, war Deutschland noch ein Kaiserreich und das Badische Staatstheater, dem er sich so viele Jahre verbunden fühlte, trug noch den Titel „Großherzogliches Hoftheater”. Da wusste der junge Kurt, der später seinen Namen Müller mit dem Mädchennamen seiner Mutter zu Müller-Graf erweiterte, allerdings noch nicht, wie sehr ihn das Theaterfieber einst erfassen würde. Als Sohn einer Beamtenfamilie geboren, wurde dieses durch die Mitwirkung im Knabenchor des „Parsifal” und durch einen Schulbesuch des „Wilhelm Tell” geweckt. Der Karlsruher Schauspieler und Oberspielleiter Felix Baumbach erteilte ihm ersten Unterricht und für die Mitwirkung bei den Volksschauspielen ötigheim (zunächst nur als Statist) fuhr er an vielen Wochenenden mit dem Fahrrad von Karlsruhe nach Ötigheim.
Nach Abschluss seiner Ausbildung begann er seine Schauspielkarriere 1935 in Karlsruhe mit dem Rudenz in „Wilhelm Tell” und dem Siegfried in „Nibelungen“ in Ötigheim. Dem Anfängervertrag in Karlsruhe folgte die übliche Tour durch kleine und mittlere Häuser wie Nürnberg und Kassel, doch bereits 1941 holte ihn Alexander Golling ans Bayerische Staatsschauspiel nach München. Und auch der Film meldete sich: In G. W. Papsts „Komödianten” spielte er den Dichter Gotthold Ephraim Lessing und seine Partner waren so renommierte Schauspieler wie Käthe Dorsch, Henny Porten und Gustav Diessl. Rund ein Dutzend weiterer Filme schlossen sich diesem Debüt an, darunter auch Streifen wie „Des Satans nackte Sklavin”, immerhin mit Horst Frank und Paul Dahlke an seiner Seite.

Kurt Mueller Graf Kurt Mueller Graf Kurt Mueller Graf

Von 1949 bis 1953 war er wieder in Karlsruhe engagiert, dem Desinteresse des dann folgenden Intendanten begegnete er mit Engagements in Basel, Nürnberg, Köln und Zürich, ehe er seine Karriere mit einer zweijährigen Zugehörigkeit zum Wiener Burgtheater krönte. Über das Nationaltheater Mannheim kehrte er schließlich unter Hans-Georg Rudolph als 1. Charakterspieler nach Karlsruhe zurück, wo er in der Titelrolle des „Faust” seinen Ein­stand im neuen Fach gab. Mit dem Professor Higgins in Shaws „Pygmalion” bereitete er sich dann auf eine seiner markantesten Rollen vor: Den Higgins im Musical „My Fair Lady” sang und spielte er nahezu einhundert Mal. Und selbst in der Oper übernahm er Sprechrollen, wie den männlich-edlen Bassa Selim in Mozarts „Entführung aus dem Serail”.
Er überzeugte als Komödiant in Curt Goetz’ „Dr. med. Hiob Prätorius” ebenso wie als tragischer Willy Loman in „Der Tod eines Handlungsreisenden” (1951 hatte er in Karlsruhe bereits den Sohn Biff gespielt) und auch kleinere Partien wie der Herzog von Albany in „König Lear” waren bei ihm in besten Händen. Ibsens „Volksfeind” verkörperte er ebenso grandios wie Molieres „Menschenfeind” und mit Shakespeares Prospero erhielt er 1977 eine wunderschöne Altersrolle.
1979, gerade aus Altersgründen aus dem Festvertrag mit dem Staatstheater entlassen, übernahm er die Intendanz der von ihm initiierten Schlossfestspiele Ettlingen. Als Regisseur und Schauspieler brachte er reiche Erfahrungen von den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, Jagsthausen und besonders Ötigheim mit und Besetzungen, wie sie die zwölf Jahre seiner Intendanz prägten, sind heute schlichtweg undenkbar. Die Schauspieler Eva Pflug und Günther Ungeheuer waren fast jährlich zu erleben, Gerd Vespermann spielte einen herrlichen Bleichenwang und hatte in Shakespeares „Was ihr wollt” Alexander Kerst als Malvolio an seiner Seite, Pinkas Braun kehrte nach seinem sensationellen Salieri in „Amadeus” als Jago („Othello”) und Shylock („Der Kaufmann von Venedig”) zurück, Ernst Stankovski gab an der Seite von Herbert Bötticher und Ursula von Manescul den Tartuffe und Katerina Jacob war eine anmutige Julia („Romeo und Julia”).
Und selbst nachdem Kurt Müller-Graf die Intendanz der Schlossfestspiele an Fritzdieter Gerhards weitergab, war von Ruhestand keine Rede. So inszenierte er 1996 in ötigheim den „Faust” und 1999 den „Jedermann”; 2004, 2005 und 2007 war er in den drei Teilen von „Grimmige Märchen” noch einmal am Badischen Staatstheater zu sehen und seine Aussagen in Robert Bestas Dokumentarfilm „Abgesang” gehören zu den interessantesten Passagen des Films und zeigen einen fast Hundertjährigen, der sich noch immer mit seiner Welt auseinander setzt.
Und am 9. August war es nun soweit: Kurt Müller-Graf feierte seinen 100. Geburtstag. Die Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters wünscht ihm alles Gute und bedankt sich für die vielen Jahre und die denkwürdigen Rollen, die der Jubilar dem Karlsruher Theater geschenkt hat.
Manfred Kraft
Nachtrag:
Tief betroffen müssen wir unsere Würdigung ergänzen und mitteilen, dass Kurt Müller-Graf nur einen Tag nach seinem noch öffentlich mit einem großen Festakt gefeierten 100. Geburtstag verstarb. Als einer der prägendsten und vielseitigsten Schauspieler in der Nachkriegsgeschichte des Badischen Staatstheaters wird er allen Theaterfreunden unvergessen bleiben.

Talk im Studio mit John Treleaven am 10.7.13

Die Besucher des Badischen Staatstheaters kennen John Treleaven schon lange. Weniger als ein Jahr nach seinem Deutschlanddebüt – als Peter Grimes (!) in Mannheim – übernahm er im September 1992 die Rolle des Jimmy Mahoney in Kurt Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”. Und seither riss die Verbindung nicht mehr ab, bis die neue Theaterleitung vor zwei Jahren den inzwischen als Heldentenor international gefragten Sänger fest ans Karlsruher Haus band.
Nun fügte er seinen bereits hier gesungenen Partien Calaf (Turandot), Canio (Der Bajazzo), Siegmund (Die Walküre), Wladimir (Fürst Igor), Apollo (Daphne) und Tristan (Tristan und Isolde) noch die Rollen Aeneas (Die Trojaner), Lohengrin, Tannhäuser, Siegfried (Götter­dämmerung) und Peter Grimes hinzu. Kurz vor Ablauf seines Festvertrages stellte sich der sympathische Engländer nun für den beliebten „Talk im Studio” zur Verfügung und gab im lockeren Gespräch mit Dr. Bernd Krüger, dem Vorsitzenden der Freunde des Badi­schen Staatstheaters, Gelegenheit ihn etwas näher kennenzulernen.
Seine Herkunft aus dem Fischerdorf Porthleven in Cornwall – sein Vater war sogar ein Fischer – prädestinierte ihn für den Protagonisten der jüngsten Karlsruher Opern­premiere. Und tatsächlich hat er die Rolle des Fischers Peter Grimes in Brittens gleichnamiger Oper schon über siebzig Mal gesungen, so daß sich das Gespräch zunächst um die gerade vier Tage zurückliegende Premiere und deren zentrale Figur drehte. Doch sein Repertoire ist weitaus größer und reicht – wie ein entzückender Video-Ausschnitt aus „Ruddigore” belegte – von den Operetten Gilbert & Sullivans über das russische, französische und italienische Fach zu den großen Helden Wagners, die er in aller Welt sang. Bei der Aufzählung seiner Auftrittsorte reihte sich dann das Badische Staatstheater wie selbstverständlich unter Häuser wie die New Yorker Met, das königliche Opernhaus Covent Garden, die English National Opera, oder die von Placido Domingo geleitete Oper von Los Angeles ein.
Begonnen hatte alles wie bei so vielen britischen Sängern im Kirchenchor seiner Heimat, dem sich ein Gesangsstudium am Londoner Royal College of Music anschloss. 1991 wechselte er an das Theater in Mainz, wo gleich in seiner ersten Spielzeit mit dem Essex in „Gloriana” eine andere Britten-Partie auf ihn wartete. Szenenfotos und Musikausschnitte (Siegmund, Siegfried) rundeten den interessanten Abend ab. So ganz wird John Treleaven das Haus denn auch nicht verlassen, Gastauftritte als Tannhäuser und Peter Grimes sind bereits terminiert.
Manfred Kraft

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Einführung in den Spielplan der Saison 2013/14

Nach einigen Jahren Pause erhielt die Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters wieder eine exklusive Einführung in den Spielplan der kommenden Saison. Die Leitung des Hauses ließ es sich dabei nicht nehmen (fast) vollständig zu erscheinen und den Mitgliedern Wissenswertes und Interessantes über die geplanten Werke zu erzählen. Entschuldigen ließen sich nur Schauspieldirektor Jan Linders und Ballettdirektorin Birgit Keil, die beide von Generalintendant Spuhler vertreten wurden.
Gastgeberin war gewissermaßen Ulrike Stöck, denn erstmals fand diese Veranstaltung in der Insel statt. So entspannt wie im bewährten mittleren Foyer ging es hier zwar nicht zu, aber dafür wurde man durch eine interessante Gratisaufführung des Jugendstücks „Neben mir” entschädigt. Dass es dennoch nicht gelang alle 126 Plätze in der Insel zu besetzen, war bedauerlich. Zumindest aber konnte sich das Junge Staatstheater über 120.- € an Spenden freuen.
Die Spartendirektoren Joscha Schaback (Oper), Axel Schlicksupp (Konzert), Ulrike Stöck (Junges Staatstheater) und Dr. Bernd Feuchtner (Händel-Festspiele) sowie Peter Spuhler (Schauspiel und Ballett) stellten die Stücke detailliert vor und verrieten auch schon einige Besetzungen. Auf Grund der Vielzahl an Werken musste dies beim Schauspiel etwas pauschaler geschehen. Danach standen die Theatermacher noch für Fragen zur Verfügung, dieser Punkt hätte aber durchaus etwas ausgiebiger ausfallen dürfen.
Manfred Kraft

TALK IM STUDIO
Einblick in die Arbeit des Musiktheaters

Es war ein einzigartiger Einblick in die Arbeit des Musiktheaters, die der Gesellschaft der Theaterfreunde am 14. Februar gewährt wurde. Beim TALK IM STUDIO nahmen auf dem Roten Sofa gleich vier Künstler Platz: der Studienleiter Jan Roelof Wolthuis, die Sopranistin Christina Niessen, Kammersänger Konstantin Gorny und der erste Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors Johannes Willig. Die Gesprächsleitung hatte Katrin Lorbeer, die stellvertretende Vorsitzende der Theaterfreunde. Schon gleich nach Christina Niessens herrlichen musikalischen Auftakt, der Hallenarie aus dem TANNHäUSER, ging es im Gespräch ausnahmsweise einmal nicht um die perfekt dargebrachte Partie innerhalb einer fertigen szenischen Produktion – sondern um den langwierigen Prozess ihrer musikalischen Einstudierung. Denn noch bevor die Sänger ihre Rollen mit dem Regisseur szenisch entwickeln, müssen sie ja ihre Gesangspartie erst zusammen mit einem der fünf Repetitoren am Hause musikalisch erarbeiten. Jan Roelof Wolthuis organisiert als Studienleiter diese Proben, die die Sänger sowohl für die Neuproduktionen als auch den täglichen Repertoirebetrieb brauchen. Und Konstantin Gorny bestätigte, dass man eine Partie niemals fertig studiert habe, sondern an ihr immer wieder arbeiten müsse. Diesem intimen Vorgang mit vielen Unterbrechungen und musikalischen Anmerkungen durften dann die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde am Beispiel einer Arie aus NABUCCO einmal lauschen – und somit ein Gefühl für die musikalischen Feinheiten entwickeln und das hohe Niveau, auf dem am Badischen Staatstheater gearbeitet wird.
Jan Roelof Wolthuis erzählte, das es die Liebe zum Wort, zur Dichtung gewesen sei, die ihn nach seiner pianistischen Ausbildung schließlich zur Oper brachte. Auch Kapellmeister Johannes Willig liegt die intensive inhaltliche Arbeit mit dem Text am Herzen: Die Symbiose zwischen Wort und Musik sei unabdingbar für die Vorbereitung seiner musikalischen Interpretation. Doch arbeite er schließlich nicht nur mit den Sängern, sondern muss für den Gesamtklang mit dem Orchester eine Balance herstellen und viele stilistische Fragen klären.
Als Vorbereitung auf die kommende RING-Wiederaufnahme arbeitete Christina Niessen zusammen mit Jan Roelof Wolthuis an der Partie der dritten Norn in der GöTTERDäMMERUNG und meisterte eindrucksvoll die artikulatorischen Kniffligkeiten der deutschen Sprache.
Zum Abschluss dieses ebenso anschaulichen wie amüsanten Abends sang Konstantin Gorny die wunderschönen Arie des Fürsten Gremin aus EUGEN ONEGIN. Allen teilnehmenden Künstlern sei an dieser Stelle herzlich gedankt für den besonders intensiven BLICK HINTER DIE KULISSEN.
B.K.

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