Mitgliederrundschreiben III/2012
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Mitgliedderrundschreiben II/2012
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Mitgliederrundschreiben I/2012
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Archiv 2012

Festrede von Generalintendant a.D. Achim Thorwald vom 06.10.2012 zum 40-jährigen Bestehen der Gesellschaft der Theaterfreunde

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wolfram Jäger, lieber Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters, Dr. Bernd Krüger, lieber Generalintendant Peter Spuhler, sehr geehrter Herr Personalratsvorsitzender Horst Lehmann, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Theaterfreunde!
Das Theater stand immer in der Krise. Werfen wir doch einmal einen rasanten Blick auf die Theatervergangenheit in unserem Lande. Schiller sei das erste Stichwort – nach 2000 Jahren Krise wohlgemerkt.
Mit Schiller wird das bürgerliche Theater zum Podium für Politik. Sturm und Drang toben sich aus. In Mannheim fallen sich bei den „Räubern“ wildfremde Menschen in die Arme und stoßen Drohungen gegen die Mächtigen aus. Die antworten mit Vertreibung oder Umarmung. Letztere führt dazu, dass Schiller und Goethe sich doch lieber zu Olympiern krönen lassen.
Das ärgert aber so ungebärdige Zeitgenossen wie Grabbe und Büchner, die mit Scherz, Satire und Ironie die tiefere Bedeutung im Alkohol ersäufen und den Palästen den Krieg erklären. „Krise, Krise!" rufen die Politiker und verordnen der Nation den Biedermeier.
Aber auch das hilft nicht viel, denn nach Revolution, Reaktion und Gegenreaktion schafft Hauptmann mit seinen „Webern" den Skandal. Immer diese Politik auf dem Theater, wo doch die Musentempel eigentlich dem „Guten, Schönen, Wahren" gewidmet sind! Nur dass das Gute oft nicht schön – und das Schöne noch seltener wahr ist.
Gerade in der extremen Krise des ersten Weltkriegs hält sich das Theater mit allen Facetten, vom Operettentaumel bis zur sarkastisch-harten Auseinandersetzung mit Krieg und Tod. Erstaunlich, dass so viele Theater wieder bzw. weiterspielen, vom Hoftheater zum Stadt- oder Staatstheater werden. Das Volk will sein Theater. Und die Krisen auch! Max Reinhardt zeigt, was das Theater alles an Märchenhaftigkeit zu bieten hat. Piscator findet das grauenhaft und setzt sein antinaturalistisches Maschinentheater dagegen. Berlin tanzt auf dem Vulkan, die besten Köpfe flüchten – und plötzlich gibt es diese permanente Krise nicht mehr. 1000 Jahre – Pardon 12 Jahre – Ruhe, da weiß doch jeder, wo's langgeht. Oder war das etwa die Krise?
Aber dann nach dem 2. Weltkrieg geht es erst richtig los: Wir sind nochmal davongekommen, und von überall her werden neue Stile, neue Themen aufgesaugt. Das Theater, das Publikum ist ausgehungert. Da kommt das Fernsehen auf! Der Film blüht! „Das Theater ist tot", orakeln die Skeptiker. Aber das Theater denkt gar nicht daran. Das Wirtschaftswunder gebiert die erste Welle „bürgerliches Theater" — Krise! Vietnam puscht das politische Theater — Krise! Im Gegenzug drängt das neuentdeckte „Volkstheater" auf die Bühne. „Schweig, Bub", heißt es drohend. Auf einmal werden die Alten generell ins Abseits gestellt. Es zählt nur noch der Jugendwahn. Das „Regietheater" steht gegen das „Schauspieler-Theater", der Küchenrealismus unverständlich nuschelnder Schauspieler gegen die als „out” empfundenen Größen des „alten" Theaters vom Format der Münchner Kammerspiele. Alles Krisen!
Nach der Wiedervereinigung wurden diese Krisen im Osten neu entfacht. Völlig überflüssig aus meiner Sicht. Denn – und das möchte ich trotz (und vielleicht sogar wegen) aller Krisendebatten über Publikumskrise, Biedermeier-Krise, Volkstheaterkrise, „Jung gegen Alt" – Krise behaupten: Es gibt nur zwei wirkliche Krisen: Die Bildungskrise und die Finanzkrise. Die Bildungskrise, entstanden durch ein zur rein faktischen und partiellen Wissensvermittlung degenerierten Schulausbildung, der das musische Element und somit das Kreativpotential fast vollständig entzogen wurde, und womit Deutschland noch vor kurzem prompt im Vergleich der westlichen Industriestaaten auf einen hinteren Platz des Bildungsstandards abgerutscht ist. Es hat sich schon wieder etwas getan, aber wirklich ist es noch nicht in den Köpfen angekommen. Dass die musische Erziehung beste Ergebnisse mit sich bringt, zeigt ja z. B. gerade das Helmholtz-Gymnasium, um nur ein Beispiel aus Karlsruhe zu nennen.
Und die Finanzkrise, derentwegen die Politiker den Bereich der Kultur mit seinen weniger als 1% aller öffentlichen Haushalte zum Steinbruch erklären, aus dem mehr oder weniger wahllos die Mittel zur Sanierung der städtischen Budgets oder der Länder-Budgets herausgebrochen werden.
Das ist die Krise der Kulturnation Deutschland. Die so oft beschworenen Theaterkrisen beweisen nichts anderes, als dass das Theater lebt, sich verändert, infrage stellt, neue Formen sucht. Und „Jung gegen Alt"? Erst dann ist das Theater wirklich tot, wenn die Jungen nicht mit der vollsten überzeugung darangehen, das Theater immer wieder neu zu entdecken, gegen die Etablierten anzurennen. Aber auch den scheinbar Etablierten, den Alten, gelingt es immer wieder, dem Theater neue oder sehr spannende, altersweise Sichtwinkel aufzutun. Genau das beweist immer wieder die Fülle der Möglichkeiten von Theater. Es hat damit zweieinhalb Jahrtausende gelebt – in allen Kulturen, in Kirchen, Scheunen, Hoftheatern, Staatspalästen, auf Marktplätzen und Hintdrhöfen, als Haupt- und Staatsaktion oder als subversives Mittel der Revolution, pompös und amüsant, widerborstig und unbequem – mit einem Wort: Ein elementarer Ausdruck des Menschen, um über sich, Gott und die Welt in extremster Weise nachzudenken; die dort oben auf der Bühne stellvertretend für die im Zuschauerraum durch alle Höhen und Tiefen menschlicher Schicksale gehen, leiden, kämpfen zu sehen. Deshalb muss das Theater permanent in der Krise stecken.
Und deshalb braucht das Theater auch immer wieder Freunde. Und ich denke, auch die Gründung der Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters vor 40 Jahren entsprang der Gewissheit, dass das Theater nicht nur begeisterte Menschen braucht, die sich in ihrer Leidenschaft für das Theater gerne zusammenschließen um sich auszutauschen, sondern dass das Theater immer wieder auch Freunde braucht, die in schwierigen Zeiten zu ihm stehen.
Und so haben es die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters von Anfang an gehalten. Seit der Gründung 1972 unter dem damaligen Vorsitzenden, Prof. Draheim, und auch späte unter dem Vorsitz des Ehrensenators Jäger, mit dem ich bei meinem Amtsantritt 2002 die Theaterfreunde kennenlernen durfte.
Ich habe an vier meiner fünf Theater, die ich leiten durfte, Gesellschaften oder Vereine der Freunde des Theaters kennen gelernt. Und wie sehr ich diese Unterstützung schätzte, aber auch gleichzeitig immer wieder den Gesamtaspekt des Theaters national aber auch international im Auge hatte, mag Ihnen zeigen, dass damals in Münster auf meine Anregung hin durch den dortigen Vorsitzenden Kögele die Deutsche Vereinigung der Musik- und Theaterfreunde, MUTHEA, gegründet wurde und in Münster auch der Gründungskongress stattfand.
Ich habe aber auch Theaterfreunde kennengelernt, die ihren Einfluss sehr direkt geltend machen wollten, um auf Stilrichtung, Themenwahl, Spielplanauswahl direkten Einfluss zu nehmen und sich manchmal auch nicht scheuten, bei den Politikern der Stadt gegen das Theater Position zu beziehen, weil es nicht ihrem ganz persönlichen Geschmack entsprach. Das habe ich erlebt, aber nicht in Karlsruhe.
Hier steht in Ihrer Werbebroschüre unter der überschrift „Warum Mitglied werden?" als wichtigste Voraussetzung „Freund und Förderer" des Staatstheaters zu sein. Erst dann werden die Möglichkeiten aufgeführt, wie Sie intensiven Kontakt mit dem Theater pflegen und halten können. Und eben auch mehr erfahren und hinter die Kulissen schauen können, als dies einem normalen Theaterbesucher möglich ist.
Aber gleichzeitig werden auch Ihre Aktivitäten in dieser Broschüre aufgeführt. Und da zeigt sich, dass, wie sie dort selber schreiben, die Gesellschaft ideell und finanziell alle Sparten des Badischen Staatstheaters Karlsruhe unterstützt. Und diese Unterstützung habe ich immer als äußerst hilfreich empfunden.
Diese Unterstützung hat - ohne die früheren Vorsitzenden hintan zu stellen - ab dem November 2005 und der übernahme des Vorsitzes durch Dr. Bernd Krüger noch eine wesentliche Dimension hinzugewonnen: Dr. Krüger gehörte sowieso schon zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft der Freunde und er brachte nun als Vorsitzender noch zusätzliche Ideen ein, die für das Theater von unschätzbarem Wert sind. Die Finanzierung einer kontinuierlichen Physiotherapie für das Ballettensemble, die Beteiligung am Honorar für Sprechtechnik im Schauspiel, Anschaffungen für das Theater, die es selber nicht hätte leisten können, wie z. B. ganz besonders die Finanzierung eines Steinway-Flügels, Anschaffung von weiteren Dienstinstrumenten, dieses Jahr z. B. die Anschaffung eines Kontrabasses zum 350. Jubiläum der Badischen Staatskapelle, Zuschüsse zu Produktionen wie DER RING DES NIBELUNGEN, EURYANTHE, deren Bühnenbild überhaupt gar nicht herstellbar gewesen wäre ohne die Hilfe der Theaterfreunde, und auch jetzt für TANNHäUSER, aber auch so schöne Gesten wie der Blumenschmuck für Konzerte und Galas.
Dass durch die vielfältigen Aktivitäten von Dr. Krüger sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt hat, und auch als besondere Idee die Jungen Musengäule eingeführt wurden und damit eine Tür für junge Leute geöffnet wurde, zählt zu den Erfolgen, die man nicht genug hervorheben kann. Dabei sollte auch die tatkräftige Mithilfe von Frau Marianne Goertz nicht vergessen werden. Darüber hinaus auch immer die ideelle Unterstützung in der Stadt, bezüglich der positiven Meinung zum Theater, die durchaus auch ihre Wirkung auf die Politik des Landes und der Stadt hatte.
Das Badische Staatstheater Karlsruhe kann sich sowieso glücklich schätzen, dass die Politiker der Stadt und des Landes im Großen und Ganzen immer dem Theater positiv gegenüber standen. Trotzdem musste auch das Badische Staatstheater sich ab und zu gegen Kürzungen wehren. Sie erinnern sich vielleicht, dass sogar einmal die Händel-Festspiele zur Disposition standen. Auch da war es wichtig, zu wissen, dass das Theater Freunde hat, die zu ihm stehen. Und dafür möchte ich Ihnen sehr herzlich danken, für die Freundschaft, die ich auch persönlich durch den Vorsitzenden erfahren durfte und darf. Und ich denke, dass mein Nachfolger, Peter Spuhler, genau so glücklich über die Unterstützung durch die Theaterfreunde ist.
Das Theater ist permanente Krise und das ist gut so. Das Theater verändert sich auch immer wieder durch Menschen, die neue Ideen und andere Sichtweisen mit sich bringen, und auch das ist gut so. Aber es braucht auch Freunde, die offen und neugierig für solche Ideen sind und die loyal und freundschaftlich im besten Sinne zum Theater stehen. Ich danke Ihnen für 40 Jahre dieser Freundschaft und Loyalität, ohne die es dem Theater bestimmt schlechter ginge. Vielen Dank.

Bericht vom MUTHEA-Jahrestreffen 2012 in Karlsruhe

Vom 17. bis 19. Mai trafen sich Vertreter aus 12 Bundesländern zur Jahrestagung von MUTHEA – Bundesvereinigung Deutscher Musik- und Theaterfördergesellschaften e.V. Die Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters Karlsruhe e.V. sorgte dafür, dass bei einem interessanten Programm alle Beteiligten angenehme und informative Veranstaltungen besuchen konnten. Der Vorsitzende Dr. Bernd Krüger und seine Mitstreiter scheuten keine Mühe und organisierten Begegnungen der kurzen Wege für alle Gäste. Die Begrüßung durch die Kulturamtsleiterin von Karlruhe Frau Dr. Susanne Asche und den Generalintendanten Peter Spuhler bildete den Auftakt der Jahrestagung, die angefüllt war mit Theaterbesuchen und interessanten Diskussionen im Programm und auf privater Ebene.
Natürlich blieb bei diesem Empfang nicht unerwähnt, dass am Vortag beschlossen wurde, in Karlruhe in den nächsten 10 Jahren 120 Millionen Euro für Kulturbauten und deren Sanierung bereit zustellen. Das sind Summen, auf die viele von uns mit Verwunderung und ein wenig Neid blickten.
Die Jahresversammlung von MUTHEA fand am Freitag, 18.05.2012 von 9.30-15.30 Uhr statt. Die Vertreter der Fördergesellschaften verabschiedeten den langjährigen Vorsitzenden von MUTHEA, Dietrich Fischer, der auf eigenen Wunsch seine Funktion aus Altersgründen abgab. Bis zur nächsten Vorstandswahl im Jahr 2014 wird der 2. Vorsitzende Bernd Krumrey aus Kiel die Geschäfte führen. Mit einem Geschenk wurde Herrn Fischer für seine unermüdliche Arbeit der Dank ausgesprochen. Die Mitgliederversammlung ernannte ihn zum Ehrenmitglied der Bundesvereinigung. über den Verlauf der Mitgliederversammlung gibt es ein gesondertes Protokoll.
Die Frage, die bei vielen Fördergesellschaften im Raum steht, lohnt sich eine Mitgliedschaft überhaupt, wurde während der regen Diskussion schnell beantwortet. Der angeregte Austausch von Informationen und Erfahrungen ließ auch diesmal wieder jeden Teilnehmer reicher zurückkehren. Nicht jeder Fehler muss von anderen auch vollzogen werden, neue erprobte Ideen bekommt man bei MUTHEA kostenlos. Ein Blick über den Tellerrand hinaus hilft auch, die eigene Arbeit besser einzuschätzen und Erfolge in einem größeren Zusammenhang zu sehen. MUTHEA bietet im nächsten Jahr dieses große Forum des Erfahrungsaustausches in Bielefeld und eine Einladung an alle Theatergesellschaften sprechen wir schon heute aus.
MUTHEA gelingt es immer wieder, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Am Freitagabend besuchten wir im ausverkauften Haus die Oper „Lohengrin", wo wir sehr gute Ensemble-Leistungen erleben konnten. Alles in allem eine interessante Opernaufführung, bei der jedoch auch bei Opernkennern das Inszenierungskonzept nicht voll verstanden wurde. Mit dem Thema „Regietheater- Fluch oder Segen" konnten sich die Teilnehmer im Podiumsgespräch am Sonntag auseinandersetzen.
Das Schauspiel „Jakob der Lügner" nach einem Roman von Jurek Becker im Kleinen Haus am Sonnabend stellte die Gäste auf eine harte Probe. War es doch zunächst für zwei Stunden angekündigt, verdoppelte sich die Aufführungsdauer erheblich. Auch diese Vorstellung war ausverkauft. Emotional berührend gespielt von einem ausgewogenen Schauspielensemble erlebten wir eine große Vorstellung und verließen nach der langen Zeit aufgewühlt und berührt den Theatersaal. Die Karlsruher Theaterfreunde luden zu einem köstlichen Büfett und zum geselligen Beisammensein ins Foyer ein. So wurde die Nacht kurz, aber die vielen Informationen mit Künstlern und Teilnehmern immer ausgedehnter.
Dr. Krüger hatte es verstanden, uns zu den Mahlzeiten unter das Theaterpersonal in der Kantine unterzubringen und so waren wir stets preiswert und gut versorgt und bei bester Laune, was die Gespräche beflügelte.
Das Podiumsgespräch am Samstag bildete einen weiteren Höhepunkt der Jahrestagung. Generalintendant Peter Spuhler als Moderator hatte an seiner Seite die Regisseurin Nelly Danker, den ehemaligen Minister Klaus von Trotha und als Vertreter des Publikums Dietrich Fischer. Wer geglaubt hatte, eine schlüssige Aussage zum Thema „Regietheater - Fluch oder Segen" zu erhalten, wurde gewiss enttäuscht. Die Diskussion zeigte sehr deutlich, dass sich die Ansprüche ändern, Wagner kann heute nicht so interpretiert werden wie vor 50 Jahren und nur historische Bezüge zu wählen, gestattet zu wenige Spielräume für Deutungen. Vom Publikum wurde jedoch mehrfach angemahnt, dass auch für den Theaterfreund eine Handlung und ihre Auslegung nachvollziehbar sein müssen. Trotz widersprüchlicher Meinungen war allen Beteiligten die Freude an einer Auseinandersetzung mit den Bühnenwerken anzumerken, keine Form des produktiven Herangehens an ein Werk wurde abgelehnt.
Als Mitglied des MUTHEA-Vorstandes ist es mir ein besonderes Anliegen, der Gesellschaft in Karlsruhe und vor allem Herrn Dr. Krüger für die erlebnisreichen Tage zu danken. Alle Veranstaltungen, auch das noch nicht erwähnte, sorgfältig ausgewählte Partnerprogramm hinterließen bei den Gästen nachhaltige Eindrücke und wir verließen wohl alle Karlruhe mit positiven Eindrücken. Selbst an die vielen Baustellen hatten wir uns gewöhnt und sehen Karlruhe im Aufbruch.
(Renate Winkler – Görlitzer Theater- und Musikverein)

Mitgliederversammlung und Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Gesellschaft der Theaterfreunde

Am 6. Oktober 2012 fand im Großen Haus des BADISCHEN STAATSTHEATERS die 40. Mitgliederversammlung der Theaterfreunde statt. Etwa 450 Theaterfreundinnen und Theaterfreunde hatten sich, auch in Vorfreude auf das folgende Festprogramm, eingefunden – ein Besucherrekord!
Der Vorsitzende Bernd Krüger ging im Bericht des Vorstandes auf die Ereignisse des letzten Jahres ein. Höhepunkt der Reihe TALK IM STUDIO war ohne Zweifel der Besuch von Wolfgang Rihm vor den Europäischen Kulturtagen bei den Theaterfreunden. Neben den üblichen Probenbesuchen stellte uns Carsten Wiebusch in einer besonderen Veranstaltung in der Christuskirche die Klais-Orgel sehr eindrücklich vor und brachte sie in all ihren Möglichkeiten zu Gehör. Im Mai fand die von uns geplante Jahrestagung der deutschen Bühnenfördervereine am Staatstheater statt. Ein Benefizkonzert mit der Bläserformation der Staatskapelle BASTA BRASS brachte für das Junge Staatstheater 10.000,- Euro. Das war die Anfangsfinanzierung für eine dritte Schauspielerstelle dort.
Den Kassenbericht trug, da der Schatzmeister Dieter Lückenkemper verhindert war, der Vorsitzenden vor. Der Kassenprüfbericht, vorgetragen von Wolfgang Nagel, ergab keine Beanstandungen. So konnte unser Ehrenmitglied Wolfgang Sieber die Entlastung beantragen. Der Vorstand wurde von der Versammlung einstimmig, bei Enthaltung des Vorstandes, für das Geschäftsjahr 2011 entlastet.
Da Herr Lückenkemper auf eigenen Wunsch nach über 20jähriger Tätigkeit als Schatzmeister zum Jahresende ausscheiden wird, war eine Nachwahl erforderlich. Der bisherige Kassenprüfer Volker Kramer wurde einstimmig, bei einer Enthaltung, zum Schatzmeister ab dem 1.1.2013 gewählt. Als neue Kassenprüferin wurde Frau Moisei-Haas einstimmig gewählt.
Der Vorsitzende schloss die Versammlung nach einer Stunde, und so konnte nach einer halbstündigen Pause um 20 Uhr das Festprogramm beginnen. Peter Spuhler und Bürgermeister Wolfram Jäger sprachen die Grußworte. Das Schauspiel eröffnete mit einem Ausschnitt aus ALICE das Programm. Danach überreichte Bernd Krüger als Geschenk der Theaterfreunde zum 350. Geburtstag der Staatskapelle an Joachim Fleck, den Vorstand des Orchesters, einen neuen Kontrabass. Im anschließenden FORELLENQUINTETT konnten wir uns vom schönen Klang des neuen Instrumentes überzeugen. Es folgte ein beeindruckender Festvortrag von Achim Thorwald, dem Intendanten bis 2011. Dann hieß es Bühne frei für das Ballett, das uns mit einem Pas de deux und der Choreografie TWO 4 ONE verzauberte. Nach der Pause erklangen drei Opernarien aus RHEINGOLD, TANNHäUSER und CARMEN. Das Team der Theaterpädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS brachten das Publikum für einige Minuten in Schwung, bevor BASTA BRASS mit seinem musikalischen Beitrag und der eigens komponierten Hommage „g-d-f“ der Gesellschaft zum Geburtstag gratulierte. Nach dem insgesamt dreistündigen Programm stürmten die Zuschauer hungrig das Buffet und feierten im gut gefüllten Mittleren Foyer bis weit nach Mitternacht.
Ein besonderer Dank gilt Peter Spuhler und seinem Team, den Künstlern auf der Bühne sowie allen Beteiligten hinter der Bühne, die uns einen solch schönen und eindrucksvollen Abend ermöglicht und gestaltet haben.

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ORCHESTERFEST

Die Feiern zum 350. Geburtstag der Badischen Staatskapelle erreichten am 21. Juli 2012 mit dem ORCHESTERFEST in und um das Badische Staatstheater ihren Höhepunkt. Von den Mitgliedern der Staatskapelle organisiert und durchgeführt gab es von 15 Uhr bis Mitternacht eine reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm an den verschiedenen Spielstätten. Besucher aus nah und fern bevölkerten in großer Zahl das Theaterareal.
Leider mussten wegen des unsicheren Wetters viele Aktionen in das Theater verlegt werden.
Dies bedeutete einen immensen organisatorischen Aufwand, der von den Technikern der unterschiedlichen Bereiche bravourös gemeistert wurde.
Höhepunkt des Festes war die Aufführung der Neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven im Großen Haus mit Live übertragung ins Kleine Haus. Frenetischer Applaus dankte dem Generalmusikdirektor Justin Brown und allen Mitwirkenden für dieses musikalisches Erlebnis.
B.K.

TALK IM STUDIO , Professor Wolfgang Rihm im Gespräch mit Katrin Lorbeer am 24. Januar 2012.

„Ich habe eine Heidenangst“
Einstimmung auf die Europäischen Kulturtage in Karlsruhe: Wolfgang Rihm zu Gast bei den Theaterfreunden
„Sie sehen, ich komme von draußen.“ Wolfgang Rihm, der die Pause zwischen Begrüßungsapplaus und Mantel-Ablegen mit diesen Worten überbrückt, hat immer ein Zwinkern für seine Gesprächspartner dabei. Auch wenn ihm öffentliche Auftritte wie diese im Grunde genommen gegen den Strich gehen, wie er später erklärt, weil sie doch seinen kreativen Strom unterbrechen. Er ist aber schon längst ein Mann der öffentlichkeit geworden – ob er es mag oder nicht. Rihm lebt und arbeitet seit seiner Geburt am 13. März 1952 bei aller globalen Umtriebigkeit seiner Musik in Karlsruhe. Als Komponist hat er sich aber schneller auf der gesamten Erdkugel einen Namen gemacht als in seiner Heimatstadt. Das soll nun mit-Hilfe der 21. Europäischen Kulturtage gründlich geändert werden. So gründlich, dass Rihm „eine Heidenangst“ hat, wie er im Gespräch auf dem Sofa im Studio des Badischen Staatstheaters Karlsruhe bekennt. Drei Wochen widmet die Stadt ihrem großen Komponisten zum 60. Geburtstag mit dem Festival und fast 100 Veranstaltungen rings um sein Schaffen (die BNN berichten fortlaufend). Das heißt aber noch lange nicht, dass Wolfgang Rihm dann drei Wochen lang zu beäugen ist für jene, die mal einen berühmten Komponisten wie ihn erleben wollen. Der Mann muss arbeiten. Und dass er nun zur Einstimmung der Kulturtage der Einladung der Theaterfreunde folgt, ehrt das Publikum.
Alle 150 Plätze sind besetzt auf der Tribüne im Studio unterm Dach des Staatstheaters, dem neuen Ort für den „Talk“ der Theaterfreunde. 300 Augen Musikinteressierter beäugen Rihm, der sich als „leidenschaftlicher Privatmann“ beschreibt, beim Platznehmen auf dem Sofa. Dort empfängt ihn Katrin Lorbeer, neu im Vorstand der Theaterfreunde und ehemals Musikdramaturgin am Haus. Mit dem Sofa haben sie beide ein kleines Problem. Sie dachte, es ist rot. Er dachte, es ist bequem. Lorbeer setzt sich mit Worten der Entschuldigung für das Rot von Ohrschmuck und Oberteil aufs weiche Rosa. Rihm sinkt in selbiges viel zu tief ein, kommentiert die ergonomischen Mängel des Möbels und erklärt Lorbeer: „Wenn ich Ihnen immer näher rücke, entschuldigen Sie. Das hat orthopädische Gründe.“
Ein launiges Gespräch ist im Gang, das die Biografie des Komponisten streift, seine Arbeitshaltung erkennbar macht, seine Lehrtätigkeit thematisiert und das ganz nebenbei viel vom „leidenschaftlichen Privatmann“ verrät. Wolfgang Rihm lächelt warmherzig mit diabolischer Note, wenn er sich nach jeder Frage in einen selbstironischen, markanten und oft auch köstlich überspitzten Spruch hineinphilosophiert. „Künstler sind ja die einzigen, die nicht faul sind“ erntet die meisten Lacher.
Rihm ist ein Karlsruher, der trotz weltweiter Bekanntheit in seiner Heimatstadt geblieben ist. „Für mich ist es gut so.“ Aufgewachsen in einem Mietshaus in der Liebigstraße, war die Mittagsruhe von ersten Kompositionsversuchen mit elf Jahren und der Mahnung der Eltern „spiel nicht so laut“ geprägt. Er wollte halt „immer alles selber machen“, ist seine Erklärung für die Berufswahl – ein Entschluss, der sich allein angesichts der der Tatsache, dass seine Oper „Lenz“ über 150-mal inszeniert wurde, ausgezahlt hat. Die Stadt und ihre Menschen haben ihn geprägt: Die Jahre am Bismarck-Gymnasium; Altgriechisch bei Günter Dietz, für den es sich gelohnt hat, zweimal sitzengeblieben zu sein, „so habe ich diesen Unterricht noch länger genießen können“; das Kompositionsstudium schon zu Schulzeiten bei Eugen Werner Velte. Mit 17 Jahren, „wo man dem Schlager zufolge noch Träume hat“, schrieb Rihm seine erste Sinfonie. „Das ist mit Blut geschrieben“, hat der englische Komponist Humphrey Searle zu ihm gesagt. „Recht hat er, hab’ ich gedacht“, erinnert sich Rihm an diesen Ritterschlag. Nach fünf Jahrzehnten Berufserfahrung weiß Rihm nur zu gut, dass diese Arbeit seine ganze Person in Anspruch nimmt. „Künstler“, sagt er, „muss man nicht zur Arbeit anhalten. Sie sind immer damit beschäftigt, ein Destillat hervorzubringen.“ Ob er die Kulturtage als eine späte Wiedergutmachung dafür sieht, dass Karlsruhe ihn als Komponisten erst relativ spät entdeckt hat, will Lorbeer wissen. Er sieht das anders. „Man muss ja zuerst gehört werden. Und zwischen gehört und geehrt werden muss Zeit vergehen dürfen.“
Zum Abschied macht Rihm den Theaterfreunden ein Kompliment, bedankt sich mit den Worten: „Ich kann gelangweiltes Husten von Zuneigungshusten unterscheiden“, und geht lächelnd. Isabel Steppeler
Infos „Musik baut Europa. Wolfgang Rihm“ – 21. Europäische Kulturtage vom 16. März bis 6. April 2012.
www.europaeische-kulturtage.de

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ZUGEWANDT UND GENÜSSLICH GESPRÄCHIG zeigt sich Wolfgang Rihm beim „Talk im Studio“ mit Katrin Lorbeer. Zwei Stunden widmete der Komponist den Theaterfreunden und plauderte über sich, seine Arbeit und seine Musik.